CIA-Tagung 2022

 

22. Juni 2022 (digital)

Jetzt online anmelden!

 

WP/StB Benedict Braus, Keynote Speaker bei der CIA Tagung 2022

 

Sie werden bei der "CIA-Tagung 2022" ĂĽber die Regulierungsinitiativen der EU zum Thema Nachhaltigkeit sprechen. Was verbirgt sich fĂĽr Sie alles hinter dem Begriff Nachhaltigkeit?

 

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. FrĂĽher haben wir ĂĽber Bioprodukte und Ă–kostrom gesprochen – jetzt fassen wir diese und viele weitere Aspekte unter dem Begriff der Nachhaltigkeit zusammen. 

 

Die Umwelt- und sozialen Ziele der EU basieren auf der UN Agenda 2030 und den dort entwickelten 17 Sustainable Development Goals sowie den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. Mit dem European Green Deal wurde 2019 von der Europäischen Kommission ein Programm initiiert, das auf eine substantielle Reduktion des CO2-Ausstoßes in Europa ausgerichtet ist. Dazu sollen Geldflüsse in nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden, Subventionen sollen auf nachhaltige Aktivitäten ausgerichtet werden und für nicht-nachhaltige Aktivitäten sollen Vergünstigungen gestrichen werden. Zugleich wird an Verboten und deutlich erhöhten Transparenzpflichten gearbeitet.

 

Wenn wir ĂĽber die Regulierungsinitiativen der EU sprechen, dann wird der Nachhaltigkeitsbegriff ganz konkret in der Taxonomie-Verordnung definiert. Dabei handelt es sich um eine Verordnung, die einen Rahmen gibt, was in Europa als nachhaltige Aktivität anzusehen ist. Sie tritt damit neben die Offenlegungsverordnung, die nachhaltige Investitionen definiert. 

 

Beiden ist gemeinsam, dass etwas nachhaltig ist, wenn es dazu beiträgt, eines der Umwelt- oder sozialen Ziele der EU zu erreichen und zugleich keines der anderen Ziele erheblich beeinträchtigt. Zusätzlich kommen für nachhaltige Investitionen noch Anforderungen an gute Unternehmensführung hinzu und für nachhaltige Produkte weitere Pflichten.

 

Haben wir noch Zeit oder mĂĽssen wir uns jetzt dringend auf die neuen Anforderungen einstellen?

 

Es vergeht leider kaum ein Tag, an dem nicht ĂĽber immer neue Hitzerekorde und Auswirkungen des Klimawandels berichtet wird. Der Klimawandel wird von immer mehr Menschen nicht mehr als abstrakte Theorie angesehen, sondern als eine ernstzunehmende, existentielle Bedrohung. 

 

Wie dringend wir alle gefordert sind, unsere Handlungsweisen zu ĂĽberdenken und nachhaltiger zu agieren, hat nicht zuletzt das Bundesverfassungsgericht mit seinem bemerkenswerten Beschluss in 2021 und dem praktischen Ruf nach einem strengeren Klimagesetz unterstrichen.

 

Wir sehen zurzeit eine Vielzahl an neuen Gesetzen und Initiativen, die letztlich auf das Pariser Klimaschutzabkommen, die UN Agenda 2030 und den darauf basierenden European Green Deal zurĂĽckgehen. Bei der Mehrzahl der Regelungen ist nicht die Frage, ob sie kommen, sondern wann sie in Kraft treten. NatĂĽrlich wird noch um Details gefeilscht: Unter welchen Bedingungen ist Kernkraft nachhaltig? Wie mĂĽssen Anleger zu Nachhaltigkeitspräferenzen befragt werden? Wie mĂĽssen Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen Bericht erstatten? 

 

In vielen dieser Diskussionen sind wir aber schon sehr weit und konkrete Gesetze sind verabschiedet.  

 

Warum ist die Interne Revision in den Unternehmen gefordert, Nachhaltigkeitsthemen in ihre risikoorientierte Planung aufzunehmen?

 

Kurz gesagt: Der European Green Deal wirkt sich massiv aus. Wir sehen das jeden Tag in Gesprächen, die wir mit unterschiedlichsten Mandanten fĂĽhren. 

 

Bemühten sich Unternehmen zunächst vor allem um einen positiven Marktauftritt, nimmt nun die Angst zu, dass sich auf Basis der neuen Anforderungen und der zukünftig zu veröffentlichenden Daten ein anderes Bild zeigt. Denn in der Zukunft müssen standardisierte, quantitative Daten (z.B. Scope-3-Emissionen – also CO2-Emissionen inklusive der CO2-Emissionen in Lieferketten) veröffentlicht werden. Verbände und interessierte Journalisten – aber auch andere Marktteilnehmer werden diese Daten auswerten. Daraus entstehen zwei Risiken: Grob unplausible Angaben werden ggf. identifiziert, was zu erheblichen Reputationsverlusten und ggf. sogar Rechtsrisiken führen kann (Stichwort Green-washing). Und zu schlechte Werte werden Fragen aufwerfen und ggf. mühsam aufgebaute Nachhaltigkeitsimages gefährden.

 

Die Betroffenheit ist dabei je nach Unternehmen unterschiedlich. GroĂźe Unternehmen mĂĽssen ggf. bereits ĂĽber so genannte „Key Performance Indicators“ den Anteil ihrer taxonomiekonformen Umsätze abschätzen und veröffentlichen. Auch haben diese häufig bereits ein ESG Management aufgebaut, in dem fortlaufend an einer Verbesserung der Nachhaltigkeitskultur, den Nachhaltigkeitsstrategien und deren Implementierung gearbeitet wird. 

 

Obwohl kleinere Unternehmen noch etwas mehr Zeit zur Umsetzung haben, ergibt sich für diese eine indirekte Betroffenheit: Banken werden zunehmend Nachhaltigkeitsinformationen vor Kreditvergabe abfragen, was ggf. die Konditionen beeinflussen könnte, oder Kunden oder andere Interessengruppen werden Daten anfordern. Bei diesen Unternehmen ist der Umsetzungsstand häufig noch marginal.

 

Beim Management besteht ein hoher Beratungsbedarf, was auf die Unternehmen zukommt und welche möglichen Auswirkungen sich ergeben. Als Interne Revision kommt uns in einer solchen Situation eine hohe Bedeutung zu: Zumindest sollten wir einschätzen können, wie gut – oder schlecht – unser Unternehmen auf die neuen Anforderungen vorbereitet ist und in welchen Bereichen noch Aufholbedarf besteht. Das macht uns – hoffentlich – zu einem gefragten Sparring Partner des Managements. 


Wir mĂĽssen aber auch fĂĽr unseren PrĂĽfungsplan hinterfragen, ob Risikoeinschätzungen noch stimmen und zusätzliche Fragestellungen in PrĂĽfungen zu integrieren sind. Sollten Nachhaltigkeitsrisiken und der Umgang der Fachbereiche mit diesen Risiken in jeder PrĂĽfung ein Thema sein? Sollte evaluiert werden, welche Nachhaltigkeitsinformationen im PrĂĽfungsobjekt generiert werden und wie diese qualitätsgesichert und verarbeitet werden? Und sollte nicht auch hinterfragt werden, wie die Fachbereiche Verbesserungspotentiale identifizieren, Nachhaltigkeitsinitiativen ableiten und deren Umsetzung ĂĽberwachen?  

 

Sicherlich neue Fragestellungen, mit denen sich noch nicht jeder wohl fühlt – aber hoffentlich können wir auf der „CIA-Tagung 2022“ helfen, den ersten Schritt zu machen.