Universität Duisburg-Essen
Die DIIR-Anti-Fraud-Management-Tagung ist ein zentrales Forum für Fach- und Führungskräfte der Internen Revision, die sich intensiv mit den Themen Betrugsprävention, -aufdeckung und -bekämpfung auseinandersetzen.
Die DIIR Anti-Fraud-Management-Tagung 2026 bot einen facettenreichen Blick auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im Umgang mit Fraud-Risiken, internen Untersuchungen und wirksamer Unternehmensverantwortung. Im Mittelpunkt standen Fragen der Prävention, Aufklärung und Kultur: Wie lassen sich Betrugsrisiken frühzeitig erkennen? Welche Rolle spielen Hinweisgebersysteme, Datenschutz und professionelle Investigations? Und wie können Integrität, Führung und Unternehmenskultur dazu beitragen, Fehlverhalten nachhaltig vorzubeugen? Die Präsentationen griffen unter anderem Fraud-Prävention, Whistleblowing, Datenschutz in Investigations, digitale Unterstützung bei internen Untersuchungen, internationale Compliance-Fälle sowie Loyalty Fraud auf.
Ein wiederkehrendes Thema war die Bedeutung eines proaktiven Anti-Fraud-Managements. Deutlich wurde, dass Organisationen aus vergangenen Fällen häufig nicht ausreichend lernen, wenn Fraud ausschließlich als Einzelfall behandelt wird. Stattdessen braucht es ein klares Verständnis von Warnsignalen, Zuständigkeiten und Prozessen. Diskutiert wurden typische Schwächen in der Praxis: unzureichendes Risikobewusstsein, unklare Governance, fehlende Ressourcen, operative Hektik und ein zu starker Fokus auf schnelle Schadensbegrenzung. Ein zentrales Fazit lautete: Abschreckung entsteht nicht allein durch Sanktionen, sondern vor allem durch ein glaubwürdig erhöhtes Entdeckungsrisiko und eine wirksame Überwachungskultur.
Auch die kulturelle Dimension von Fraud und Non-Compliance nahm breiten Raum ein. Die Beiträge zeigten, dass Regelverstöße selten nur auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen sind. Häufig wirken persönliche, organisatorische sowie kulturelle und soziale Faktoren zusammen. Dazu zählen unter anderem Ziel- und Ergebnisdruck, falsche Anreizsysteme, unklare Verantwortlichkeiten, fehlende psychologische Sicherheit, informelle Normen oder ein nicht vorbildliches Führungsverhalten. Damit wurde deutlich: Integrität, Ethik und Kultur sind keine abstrakten Werte, sondern konkrete Prüf- und Steuerungsthemen im Anti-Fraud-Management.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Internen Revision. Anhand praxisnaher Szenarien wurde diskutiert, wie die Revision zur Beherrschung von Fraud-Risiken beitragen kann — insbesondere bei Veränderungen von Geschäftsmodellen, digitalen Prozessen und komplexen Organisationsstrukturen. Die Präsentationen machten deutlich, dass Fraud-Risiken zunehmend in digitalen Prozessketten entstehen und klassische Prüfungsansätze entsprechend weiterentwickelt werden müssen. Die Interne Revision kann hier frühzeitig Impulse geben, Risiken sichtbar machen und Kontrollmechanismen hinterfragen, ohne operative Verantwortung zu übernehmen.
Auch Hinweisgebersysteme wurden als wichtiger Bestandteil eines wirksamen Anti-Fraud-Managements beleuchtet. Im Fokus stand das Zusammenspiel von Compliance und Internal Audit: Während Compliance typischerweise das operative Management von Hinweisgebersystemen verantwortet, kann Internal Audit deren Wirksamkeit und Angemessenheit unabhängig überprüfen. Whistleblowing wurde dabei nicht nur als Instrument zur Aufdeckung von Missständen verstanden, sondern auch als Beitrag zu einer offenen Unternehmenskultur, in der Integrität und Verantwortung gelebt werden.
Besonders praxisrelevant war der Blick auf interne Untersuchungen. Die Tagung zeigte, dass Investigations klare Strukturen, nachvollziehbare Entscheidungen und eine sorgfältige rechtliche Einordnung benötigen. Dabei wurde insbesondere das Spannungsfeld zwischen Aufklärungsinteresse und Datenschutz deutlich. Interne Untersuchungen sind datenschutzrechtlich grundsätzlich möglich, jede Maßnahme muss jedoch eigenständig bewertet, dokumentiert und abgewogen werden. Themen wie Anfangsverdacht, Plausibilisierung, Interessenabwägung, Datenminimierung, Transparenzpflichten und der Umgang mit Kommunikationsdaten standen dabei im Mittelpunkt.
Darüber hinaus wurde deutlich, wie digitale Werkzeuge interne Untersuchungen effizienter und transparenter machen können. Vorgestellt wurden Ansätze, um Fakten, Dokumente, Personen, Organisationen, Vorwürfe, Aufgaben und Beweismittel nicht isoliert, sondern in ihren Zusammenhängen zu betrachten. Gerade bei mittleren und größeren Untersuchungen können spezialisierte Fact-Finding- oder Litigation-Support-Lösungen dazu beitragen, komplexe Sachverhalte strukturierter auszuwerten. Die zentrale Botschaft: Software sollte nicht nur als Dokumentationshilfe verstanden werden, sondern als Werkzeug zur systematischen Faktenfindung.
Die Vielfalt der Themen machte die Tagung besonders lebendig. Neben Governance, Kultur und Investigation-Prozessen wurden auch internationale Compliance-Fälle, branchenspezifische Fraud-Risiken und konkrete Betrugsphänomene wie Loyalty Fraud betrachtet. Dadurch entstand ein breites Bild der aktuellen Risikolandschaft — von globalen Geschäftsaktivitäten über digitale Geschäftsmodelle bis hin zu spezialisierten Betrugsmustern.
Die Atmosphäre der Tagung war geprägt von Offenheit, Praxisnähe und einem konstruktiven Austausch. Die Beiträge zeigten nicht nur Herausforderungen auf, sondern lieferten zahlreiche Impulse für die Weiterentwicklung von Anti-Fraud-Management in der eigenen Organisation. Besonders deutlich wurde: Wirksame Prävention und professionelle Aufklärung gelingen nur im Zusammenspiel von klarer Governance, kompetenten Funktionen, belastbaren Prozessen, digitaler Unterstützung und einer Kultur, in der Fehlverhalten angesprochen werden kann.
Insgesamt machte die DIIR Anti-Fraud-Management-Tagung 2026 deutlich, dass Anti-Fraud-Management eine kontinuierliche Führungs-, Governance- und Prüfungsaufgabe ist. Es geht nicht nur darum, Verdachtsfälle zu bearbeiten, sondern Strukturen zu schaffen, die Fehlverhalten erschweren, Hinweise ernst nehmen, Untersuchungen professionell steuern und aus Erkenntnissen konkrete Verbesserungen ableiten. Damit setzte die Tagung ein starkes Zeichen für ein modernes, wirksames und verantwortungsbewusstes Anti-Fraud-Management.
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